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Nachhaltiger Naturkautschuk

Continental und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH setzten sich in einer Entwicklungspartnerschaft gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit in der Lieferkette für Naturkautschuk in Indonesien ein. Das Land ist weltweit der zweitgrösste Erzeuger dieses Rohstoffs. Ziel ist es, einen Kriterienkatalog für die nachhaltige Produktion von Naturkautschuk zu erarbeiten, Landwirte entsprechend dieser Kriterien in nachhaltigen Anbaumethoden zu schulen und die Rückverfolgbarkeit des Rohstoffs vom Einsatz in der Fertigung bei Continental bis hin den Kleinbauern sicherzustellen. Durch eine bessere Kautschukqualität, höhere Erträge und eine Optimierung der Lieferkette steigt das Einkommen der Kautschukbauern. Die Partnerschaft zwischen Continental und der GIZ wird durch das develoPPP.de-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt. Zur Einbindung der Lieferkettenpartner wurden mit zwei Zulieferern Absichtserklärungen unterzeichnet.

 

Grüne Reifen aus Löwenzahn

Etwa 10 bis 30 Prozent eines Autoreifens bestehen aus Naturkautschuk, bei einem Lkw-Reifen können es noch mehr sein. Die besonderen Eigenschaften dieses Rohstoffs lassen sich mit synthetischem Kautschuk auf Basis von Erdöl nicht vollständig erreichen. Der Bedarf an Naturkautschuk wird somit in den kommenden Jahren steigen.

Naturkautschuk wird fast ausschliesslich aus dem Kautschukbaum Hevea brasiliensis gewonnen, einer Pflanze, die nur in Äquatornähe kultiviert werden kann. In Asien, Afrika und Südamerika werden Monokulturen geschaffen und Urwald gerodet, um den Markt zu bedienen. Allerdings braucht ein Kautschukbaum etwa sieben Jahre, bis er das erste Mal nutzbare Milch gibt. Der Markt wächst schneller als die Produktionsmöglichkeiten, was zu unkalkulierbaren Preisschwankungen führt.

Kautschukbaum

Was wäre also, wenn es gelänge, einen Löwenzahn zu züchten, der so viel Kautschuk liefert, dass sich ein Anbau wirtschaftlich lohnt? Diese Idee ist nicht neu, bisher hat sie jedoch nicht gefruchtet. Mit Continental und dem Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie (IME) arbeiten nun zwei Partner gemeinsam an diesem Thema, die sich ideal ergänzen.

 

Vom Gewächshaus aufs Feld

Auf Basis des Russischen Löwenzahns wird eine Pflanze gezüchtet, die wettbewerbsfähige Erträge liefert. Der Naturkautschuk, der aus der Wurzel gewonnen werden kann, steht dem traditionellen in nichts nach. «Der Löwenzahnkautschuk ist mit dem des Kautschukbaums chemisch identisch», sagt Dr. Andreas Topp, Material- und Prozessentwicklung Reifen bei Continental. Damit verfügt Continental künftig über eine vollkommen neue Rohstoffquelle. Der Löwenzahn ist zudem so anspruchslos, dass er sogar auf Böden gedeiht, auf denen Kartoffeln und Getreide kaum Erträge brächten. Auf ersten Testfeldern wird der Anbau des Löwenzahns unter freiem Himmel vorangetrieben, um Kautschuk für Prototypen zu gewinnen und Möglichkeiten zu erproben, wie Saatgut gewonnen werden kann. Denn es wird eine Menge Saatgut benötigt, wenn bald die «grüne» Reifenproduktion beginnen soll.

 

Anbau am Standort

Dafür soll der Löwenzahn aus dem Labor zunächst an geeigneten Continental-Standorten in Europa wachsen und das Unternehmen so unabhängiger vom Kautschukmarkt machen. Ausserdem liegen die ökologischen Vorteile auf der Hand: Die traditionellen Kautschuktransportwege um die halbe Welt werden minimiert, und der Anbau von Löwenzahn auf marginalen und schwachen Flächen um die Ecke verhindert die unnötige Abholzung von wertvollem Regen- und Urwald in den Tropen. Kautschukbaum-Monokulturen umfassen bereits jetzt allein in Asien mehr als zehn Millionen Hektar.

Das Projekt schafft neue Perspektiven für die Schonung der Umwelt, aber auch für Continental. «Wir investieren in das Projekt, weil wir überzeugt sind, dass wir dadurch unsere Reifenproduktion langfristig weiter verbessern können», sagt Nikolai Setzer, der im Continental-Vorstand für die Division Reifen verantwortlich ist. «Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, dass wir hinsichtlich Materialentwicklung noch lange nicht am Ende unserer Möglichkeiten angekommen sind.»