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Wie funktioniert eigentlich der Spurhalteassistent?

Assistenz- und Sicherheitssysteme helfen Unfälle zu vermeiden. Auf Vision Zero erklären wir, wie ABS, ESP & Co. funktionieren. Heute: der Spurhalteassistent.

Ein langer, anstrengender Arbeitstag geht zu Ende: Ab ins Auto und endlich nach Hause! Das leise im Hintergrund laufende Radio wird während der Fahrt über die nahezu gänzlich verlassene Landstrasse kaum noch wahrgenommen. Die Augenlider werden schwerer. Das Auto zieht langsam nach links, nähert sich der Fahrbahnmarkierung und droht in den Gegenverkehr zu steuern. Aber wie von Geisterhand korrigiert der Wagen den Kurs und hält die richtige Spur. Verantwortlich dafür ist der Spurhalteassistent. Kurz nach der Jahrtausendwende bauten erste Hersteller solche Assistenzsysteme auf Wunsch in die Autos ihrer Kunden ein.

Der Nissan Cima fuhr als erster Wagen ab 2001 mit Lane Keeping Assist (LKAS), einer Weiterentwicklung des Lane Departure Warning System (LDWS). Eingebaute Kameras erfassen bei beiden Technologien den Verlauf der Fahrbahnmarkierung und werten aus, ob sich der Abstand auf beiden Seiten des Autos verändert. Eine sogenannte Multifunktionsmonokamera, wie sie auch Continental anbietet, ist in der Regel hinter der Windschutzscheibe des Wagens montiert und erkennt neben den Fahrspuren auch Verkehrszeichen. Versteckt ist sie meist in einem Gehäuse hinter dem Innenspiegel. Droht das Fahrzeug die Fahrspur zu verlassen, warnt das Assistenzsystem LDWS, das auch von Continental angeboten wird, den Fahrer mit einem akustischen oder einem haptischen Alarm. Je nach Autohersteller vibriert dann zum Beispiel das Lenkrad oder der Sitz – oder es ertönt ein Warnsignal. So versucht das System, den Autofahrer zum Einlenken zu bewegen. Laut einer vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung durchgeführten Studie können mit solchen Systemen mehr als die Hälfte der durch Spurwechsel verursachten Unfälle vermieden werden.

Der Spurhalteassistent LKAS geht noch einen Schritt weiter. Er ist nämlich in der Lage, den Fahrer aktiv in der Spur zu halten. Je nach Abstand zum Bordstein oder zum Mittelstreifen greift das System unterschiedlich stark ein – in den meisten Fällen durch eine elektronische Unterstützung der Lenkkraft. Audi bietet für die Mittelklasse-Limousine A6 beispielsweise den Active Lane Assist an, bei dem eine Bildverarbeitungssoftware die Bilder der eingebauten Kamera auswertet und anschliessend den Wagen über dezente Lenkeingriffe zurück in die Spur bringt. Wird die Linie überfahren, beginnt das Lenkrad zudem warnend zu vibrieren. Ähnlich funktionieren auch die Spurhalteassistenten von anderen Fahrzeugherstellern.

Die Spurhaltesysteme sind meist bei Geschwindigkeiten zwischen 60 und 180 km/h einsetzbar und müssen vom Autofahrer aktiviert werden. Interne Algorithmen messen, ob die Person hinter dem Steuer aufmerksam ist. Ist das nicht der Fall, warnen die Systeme den Fahrer erst vor und schalten sich dann ab. So kann sich der Fahrer nicht der Verantwortung entziehen. Zudem funktionieren die kamerabasierten Systeme nur dann, wenn die Windschutzscheibe sauber und die Fahrbahnmarkierungen gut sichtbar sind. Mercedes kombiniert deshalb den Kamera-Lenkassistenten mit einem Radarsystem, das aktiviert wird, wenn ein Auto vorausfährt, und dann diesem Vordermann folgt. Citroën verzichtet auf Kameras und arbeitet seit 2004 mit Infrarotsensoren, die nach Markierungen auf der Strasse suchen und ein Signal an den Fahrer senden.

Ob Kamera, Sensor oder Radar: Alle Technologien können die Strassen sicherer machen. Denn ein Drittel der Unfälle ausserhalb geschlossener Ortschaften geht nach Angaben des deutschen Statistischen Bundesamts auf das «Abkommen von der Fahrbahn» zurück. Mit einem Spurhalteassistenten kann diese Unfallursache minimiert werden – auch nach einem langen Arbeitstag.

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